dem Tschechen-Gestank / Katzendreck Gestank auf der Spur

Wetterstation im ErzgebirgeKlingenthaler und allgemein Bewohner grenznaher Orte im Vogtland und Erzgebirge werden das Problem wohl kennen: Gerade bei Wetteränderungen stinkt es oft, in der Luft liegt ein undefinierbarer Geruch. Experten haben den Geruch Katzendreck-Gestank getauft und gehen nun der Ursache des Gestankes nach. Hierzu wurden jetzt auf dem Erzgebirgskamm spezielle Messanlagen installiert, die bei auftreten des Gestankes Luftproben nehmen sollen.

Bislang hieß es immer, der Gestank werde von tschechischen Industrieanlagen erzeugt, die vermehrt in Nordböhmen ihre Arbeit verrichten. Eine hohe Industrie-Konzentration ist deswegen in Böhmen für eine stärkere Luftbelastung verantwortlich, als im Rest der Tschechei oder in Sachsen. Wenn es Draußen mal wieder stinkt, sagen wir Klingenthaler immer, dass die Tschechen wohl wieder heizen. In Anlehnung an den Braunkohletagebau in Sokolov und dem Heizverhalten der Tschechen (viele werden wohl diese „dreckige Kohle“ zum feuern verwenden) sind sich hier viele einig, dass der Gestank dort seine Ursache hat.

Fakt ist aber, dass bis jetzt noch nicht nachgewiesen werden konnte, was genau den Gestank verursacht. Eine Messstation auf dem Schwartenberg im Osterzgebirge lieferte zwar schon erste Luftanalyse-Ergebnisse, die Forscher tappen aber immer noch im Dunkeln. Die Messstation stellte bei 11 Messungen aus erzgebirgischen Luftproben insgesamt 40 Einzelstoffe fest, die unter anderem in geringer Konzentration sehr geruchsintensiv sind. Das sind Stoffe wie Nonanal, Octanal und Dekanal. Diese 3 Stoffe treten ebenfalls beim „Katzendreck-Gestank“ auf, so die Experten.

Messstation für Luft und WetterDie Messstationen funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Von Radebeul aus werden sie Ferngesteuert und saugen bei auftretendem Gestank (es sind Hinweise aus der Bevölkerung nötig, da keiner der Forscher vor Ort ist) Luft aus der Umgebung an und leiten diese in ein Röhrchen. Dieses Röhrchen wird dann später abgeholt und die darin enthaltene Luft wird im Labor untersucht. Die Wissenschaftler meinten, dass sich das Problem mit dem Katzendreck-Gestank seit der Wende bereits verbessert hätte. Das liegt zum Beispiel an verbesserten Industrie-Anlagen auf tschechischer Seite, bzw. viele Anlagen wurden mit der Zeit auch geschlossen. So ging der Schwefeldioxid-Ausstoß von 1999 bis 2004 bereits um 91 % zurück. Trotzdem treten jetzt immer noch bei Hochdruck-Wetterlagen die Geruchsbelästigungen auf.

Während dem sich das (ländliche) Vogtland und Erzgebirge im grenznahen Bereich mit Katzendreck-Gestank herum ärgern muss, haben vor allem die Großstadt-Bewohner in Sachsen ganz andere Probleme mit ihrer Luft. Denn laut der staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) übersteigen die Luft-Schadstoffe und Feinstaub-Belastungen in Leipzig, Chemnitz und Dresden regelmäßig die gesetzlich vorgegebenen Höchstwerte. Auch Zwickau, Zittau und Görlitz bewegen sich dabei an zulässigen Obergrenzen. Die Luft ist dort im Vergleich zu Früher zwar besser geworden, aber die Messanlagen schlagen vor allem in den Großstädten viel häufiger als erlaubt Alarm. Laut EU-Richtlinie dürfen Schadstoff-Überschreitungen nur an 35 Tagen im Jahr auftreten, dies schaffen aber sächsische Großstädte leider noch nicht.

Sollte sich an den Schadstoff-Überschreitungen in Sachsen in naher Zukunft nichts ändern, muss man wohl auch hier bald die gehassten Umwelt-Zonen einführen, um so die Luftbelastungen zu minimieren.

Zum Katzendreck-Gestank meinten die Forscher, dass sich Anwohner im Grenzgebiet auch weiterhin mit dem Geruchsproblem herum ärgern müssen, denn man kann den Tschechen schließlich nicht verbieten, ihre Industrieanlagen zu betreiben. Und solange nicht nachgewiesen ist, was den Gestank verursacht und ob die stinkende Luft schädlich für den Menschen ist, wird sich an der Situation kaum etwas ändern. Also Nase zu und durch!



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